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Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Praxorg Instituts wieder

Haha! Nein, das war ein Scherz, liebe Leser! Aber es gibt einen Hintergrund für diesen Blog-Titel.


Selbstverständlich stehen wir zu dem, was wir schreiben. Aber das ist nicht so selbstverständlich wie man meinen sollte, denn für einige Mises Institute (hier USA und Deutschland) ist es nicht so einfach, etwas zu posten und sich tatsächlich damit vollständig zu identifizieren. Sie schreiben unter alle Beiträge ihrer Blog-Autoren:

Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.
Note: The views expressed on Mises.org are not necessarily those of the Mises Institute.

Das liegt daran, dass die Österreichische Schule aus heterogenen Gruppen besteht. Aber diese Verschiedenheit ist kein Zeichen von gesunder Weltoffenheit und Toleranz, sondern von Verwirrtheit.

Warum ist das so?

Natürlich darf man alles behaupten. Aber wie geht man damit um?

Unsinn hat immer zur Folge, dass Widersprüche entstehen. Ist der Beitrag oder eine Aussage eines Autoren in sich widersprüchlich, ist der Fall aus logischer Sicht einfach. Solche Dinge sollte man vermeiden, bevor man sie veröffentlicht. Man bricht sich aber auch keinen Zacken aus der Krone, wenn man sie nachträglich verbessert.

Schwieriger wird es, wenn sich die Aussagen eines Autoren mit denen eines anderen Theoretikers widersprechen. Aber dann kann man das immer noch als offenes Problem zwischen den "Gelehrten" deklarieren. Es sollte dann eine ehrliche Kontroverse stattfinden dürfen, um zu klären, wer mit seinen Aussagen richtig liegt und wer nicht. Hat man den Widerspruch gefunden, kann man den Teil der Aussagen zurückziehen.

Doch manchmal könnte es sein, dass man die Wahl hat, verschiedene Aussagen zu verwerfen, um den Widerspruch los zu werden. In dem Fall haben alle betroffenen Theorien als problematisch zu gelten. Aber man kann immer noch authentisch sagen, dass man die Gültigkeit einer bestimmten Theorie für unsere Lebenswelt für wahrscheinlich hält. Eine solche eingeschränkte Aussage bleibt stets neutral. Erhebt man jedoch den Alleingültigkeitsanspruch zwischen sich konkurrierenden Theorien, ist diese Intoleranz gegenüber anderen Personen erkenntstheortisch ungerechtfertigt. Warum sollte man dann solche dogmatischen Thesen überhaupt erst veröffentlichen?

Nun liegt das Problem aber tiefer begründet, denn nicht nur in der herrschenden Lehre werden Widersprüche nicht ausgemerzt. (Mehr dazu steht in meinem Buch.) Auch die Vertreter der Österreichische Schule sind so heterogen und die Institute werden von den Betreibern so Ideologie-offen geführt, dass auch sie es nicht fertig bringen, uns ein wissenschaftliches Kompendium zu präsentieren, das insgesamt in sich konsistent ist. Beispielsweise wird die Frage, ob ein Staat nötig sei, zwischen den Gruppen vollkommen unversöhnlich gehandhabt. Man koaliert aber dennoch vor allem auf dem Gebiet der liberalen Ökonomie, um den Frieden in den wissenschaftlichen Salons zu wahren. Durch diese Gruppendynamik manifestieren sich die Widersprüche in den libertären Think Tanks, so dass sich Kompromisse zum "Kulturgut" entwickeln. Und gleichzeitig werden dadurch auch erkenntnistheoretische Grundlagen geopfert, die nicht mehr auf die Tagesordnung kommen, obwohl gerade sie Klarheit über die Widersprüche bringen würden.

Hans-Hermann Hoppe hat in seinem Büchlein Economic Science and the Austrian Method vieles von den Grundlagen dieser Erkenntnistheorie aufgearbeitet, und ich habe das Wesentliche davon und noch etwas mehr in meinem Buch zusammengefasst. Doch leider hat Hoppe seine Arbeit an diesem Punkt nicht konsequent praxeologisch fortgesetzt, und das Gleiche gilt für die Ökonomen als Anhänger von Ludwig von Mises, die eben nicht konsequent Mises in seiner praxeologischen Denkweise folgen, sondern sich auch pragmatischen Sichtweisen öffnen, weil sie nicht über das selbe 'mind set' verfügen wie Ludwig von Mises - um mit Begriffen und denknotwendigen Voraussetzungen zu arbeiten. Und gerade das ist es, was es letztlich ausmacht.

Die Szene der radikalen Liberalen, Libertären und Anarchokapitalisten kann sich nicht auf einer gemeinsame Basis der Ethik und der Wissenschatstheorie verständigen, und man bemüht sich auch nicht wirklich darum, eine solche Basis zu finden. Daher bleiben auch die Modelle, die verschiedentlich angeboten werden, zumindest punktuell angreifbar, weil ihre Vertreter in den Grundlagen schludern, sich aber mit viel Energie in ihre Modellen kaprizieren. Stattdessen würde eine Ausbildung aller, die bereits erkenntnistheoretisch ansetzte und die grundsätzlichen Differenzen vermiede, nicht nur viel Zeit sparen, es würde auch ein gemeinsames wissenschaftliches Kompendium entstehen, welches eben nicht durch verschiedene ideologische Strömungen immer wieder zeredet werden könnte.

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Name: Norbert Lennartz

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