Recht

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Recht ist eines der am meisten falsch interpretierten Wörter.

Wird dieses Wort benutzt, kann Recht in folgender Konnotation vorliegen:

1) In Bezug auf eine unbestreitbare ethische Tatsache etwas für logisch richtig halten ("Es ist mein Recht, mich gegen ein Verbrechen zu wehren.")

2) In Bezug auf einen Anspruch oder ein Verhalten
a) etwas für praktisch zweckmäßig / angemessen, halten ("Es ist recht, sich zu beeilen.")
b) etwas für moralisch richtig halten ("Es ist mein Recht, meine Meinung zu sagen" oder "einen höheren Lohn zu fordern".)

3) In Bezug auf geltendes Recht etwas im Sinne von 1) oder 2) für juristisch korrekt zu halten.

4) In Bezug auf eine Naturrechtsphilosophie etwas im Sinne von 1) oder 2) für korrekt zu halten.

Dabei haben wir bei 2a) den Sonderfall, dass in deutscher Sprache gewöhnlich nur nur dass Adjektiv (Kleinschreibung) benutzt werden kann. Bei den Varianten 3a) und 4a) wird jedoch das Substantiv (Großschreibung) verwendet.
Das Adjektiv "recht" lässt sich als Synonym von wahr, richtig und angemessen verstehen. Mit 2b) kann dies aber ganz anders gemeint sein, wobei in Bezug auf geltendes Recht (3) oder einer philosophischen Sicht (4) etwas richtig (oder wenigstens nicht falsch) sein kann, dies jedoch gleichzeitig im Widerspruch zur reinen Logik (1) stehen kann.

Wir tun daher gut daran, das Wort 'Recht' so wenig wie möglich zu verwenden und uns zu bemühen, genau das zu schreiben, was gemeint ist. Das selbe gilt für andere Begriffe, wenn sie in Verbindung zu Recht stehen sollen wie z.B. Eigentumsrecht.

Während Rechtspositivisten manchmal behaupten, dass alles gesetzte Recht tatsächlich Recht sei, so gibt es doch etliche die sagen, dass Unrecht kein Recht sei.[1] Aber da das, was richtig oder nicht falsch ist, a) nicht zwingendermaßen "Recht" genannt werden muss, b) gar nicht klar ist, was die Definition von Recht sein soll und c) dem geltenden Recht sowieso jede juristische Legitimation fehlt, aber trotzdem erwartet wird, dass "Recht gelte", sind Diskussionen, die das Wort Recht strapazieren, meist fruchtlos. Solche Diskussionen zeigen, dass die Teilnehmer, die Leere des Begriffes nicht verstanden haben. Sie machen mit ihrem Worte Anleihen als "Geist der Gesellschaft" und verstehen nicht ausreichend, was Stirner zu sagen weiß: "Recht ist über Mir, ist absolut, und existiert in einem Höheren"; "Mit dem absoluten Rechte vergeht das Recht selbst, wird die Herrschaft des »Rechtsbegriffes« zugleich getilgt."


  1. "Ex iniuria ius non oritur" - Aus Unrecht entsteht kein Recht - römischer Rechtsgrundsatz.
    Etwas aberwitzig ist die Radbruchsche Formel, die oft mittels der Kurzform „extremes Unrecht ist kein Recht“ zusammengefasst wird.
    Augustinus im Sinne des Naturrechts: „Ein ungerechtes Gesetz ist (überhaupt) kein Gesetz.“ oder „Aus Unrecht entsteht kein Recht.“ (Ex iniuria ius non oritur.)